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Gesundheit

Die Kraft des tiefen Atmens

Daniel Suchefort | Mittwoch, der 10. Oktober 2018

Wie wichtig ist Atmen in Stresssituationen? Ich habe es unterschätzt.

Mit jedem tiefen Atemzug können wir unser Nervensystem etwas beruhigen. Die Atmung ist ein lebensnotwendiger Vorgang, den wir aktiv beeinflussen können. In ungewohnten und angespannten Situationen vernachlässige ich schnell das Atmen. Mein Atem wird dann unbewusst und immer kürzer und flacher.

Das musste ich öfter erleben als ich mit Cowboys auf einer Farm in Kanada gearbeitet habe. Zwischen Jobs wie Zäune flicken und Viehtrieb lagen große Distanzen durch sehr unwegsames Gelände. Wir waren meist tagelang zu Pferd unterwegs. Eines Tages suchten wir nach einer Gruppe von Bullen, die in einem Pinienwald verschwunden waren. Der Wald war vom Befall des Borkenkäfers stark gezeichnet. Einem kräftigen Sturm hatte er nichts mehr entgegenzusetzen und so war der Boden ein Mikado aus massiven Baumstämmen mit spitzen Ästen, die bedrohlich in alle Richtungen ragten. Ich hatte Horrorgeschichten von Unfällen in solchen Dornenwäldern gehört. Doch auf der Suche nach den Bullen brachte ich mich und mein Pferd immer tiefer in dieses Durcheinander. Die Verantwortung für mich und mein Pferd füllte mich mit Adrenalin und Stress. Viel Stress. Ich fühlte mich überwältigt von Stress. Mein Pferd balancierte uns zwischen den spitzen Ästen hindurch. Aus dieser Situation unverletzt herauszukommen, wurde immer ungewisser. Was tat ich meinem Pferd hier an, während es mir blind vertraute?

Ich erinnerte mich an eine Yoga-Praxis. Es heißt, wer seine Atmung kontrolliert, kontrolliert seinen Verstand. Also saß ich ab, um den festen Boden unter meinen Füßen zu spüren und begann, tief zu atmen. Langsam gewann ich die Kontrolle über meinen Verstand zurück und wurde ruhiger.

Der Atem schlägt eine Brücke zwischen Körper und Geist. Durch ruhiges und tiefes Atmen weiß der Körper, dass keine Gefahr droht. Die Kunst ist, den Atem auch in stressigen Situationen ruhig und tief zu halten. Durch aktives Atmen hatte ich Einfluss darauf, wie ich mich fühlte. Denn die tiefe Atmung begann mein Nervensystem zu beruhigen.

Schließlich kletterte ich für eine gefühlte Ewigkeit über tote Bäume und trat spitze Äste ab. Mein Pferd wartete geduldig auf mich und sprang über die freien Baumstämme zum nächsten Hindernis. Sprung für Sprung. Baum für Baum.

Ich hatte das Vertrauen des Pferdes und die Kraft von tiefer Atmung unterschätzt.

 

Einfache Atemübung

Setze Dich mit geradem Rücken auf Dein Pferd. Fühle Deine Sitzknochen auf dem Sattel. Achte auf den gleichmäßigen Schritt Deines Pferdes und zähle ihn mit. Atme für 4 Schritte tief ein. Halte die Luft für 4 Schritte. Atme langsam für 6 Schritte aus. Wiederhole die Übung für etwa ein bis zwei Minuten und fühle was sich verändert.

Hierzu haben wir für Dich auch ein Interview mit der Yogi und Pferdemanagerin Julia Dittrich geführt.

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