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Die Kommunikation mit Deinem Pferd

Anne Breitenstein | Donnerstag, der 20. September 2018

Julia spricht mit mir über Wanderreiten aus Sicht einer Pferdemanagerin und einer Yogi. Beide sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

Was macht man eigentlich als Pferdemanagerin?

Als Pferdemanagerin befasse ich mich viel mit Ethologie, also dem Verhalten von Tier und Mensch. Ich habe mich vor allem mit dem Pferd in seiner natürlichen Umgebung beschäftigt. Was macht ein Pferd in seiner natürlichen Umgebung aus? Wir kennen Pferde ja nur als gehaltene, domestizierte Tiere. Ich habe geschaut, wo und wie Wildpferde miteinander leben. Hier ist mir klar geworden, dass es ein ganz anderes Leben als es unsere Pferde führen.

Wie bist Du dazu gekommen?

Im Reitunterricht wird Dir gesagt, dass Deinem Pferd die Sporen geben und ihm Druck machen sollst, wenn es nicht richtig läuft. Menschen beginnen, ihre Frustration am Pferd auszulassen. Für mich war das nicht der richtige Weg. Deswegen habe ich mich mehr und mehr mit ethischem Verhalten auseinandergesetzt und überlegt, was wir eigentlich von den Tieren verlangen: „Ich bin Mensch, Du bist Tier, ich habe Dich gekauft und gebe Dir Futter, also mach, was ich will.“ Das wurde mir auf einmal völlig zuwider.

Was hast Du also gemacht?

Ich bin nach Italien gegangen, zu einem Natural Horseman. Er setzt den Fokus auf das Verhalten und die Kommunikation der Pferde. Seine eigene Kommunikation war dabei sehr respektvoll. Von ihm habe ich gelernt, dass sowohl Mensch als auch Tier zur Kommunikation beitragen und dass es darum geht zuzuhören.

Du machst zudem viel Yoga. Hat das einen Einfluss auf Deine Arbeit?

Ja, unbedingt. Ich bin nach der Zeit in Italien zwei Jahre lang auf Reisen gewesen, ganz ohne Pferde. Stattdessen lernte ich Yoga und Meditieren. Nach meiner Rückkehr habe ich gemerkt, dass ich den Ansatz des Natural Horsemanship und die neu gewonnene Achtsamkeit wunderbar verbinden konnte. Dadurch war es mir möglich, mit den Pferden auf einer ganz anderen Ebene zu kommunizieren. Vor allem konnte ich wahrnehmen, was das Pferd über mich erzählt und nicht nur, was ich dem Pferd erzähle.

Wie kann das jeder von uns spüren?  

Ich glaube, jeder von uns kann das spüren, wenn er/sie sich dafür öffnet. Wenn ich mit festen Zielen und Erwartungen zu reiten beginne, begrenze ich mich in meiner eigenen Offenheit. Dinge passieren zu lassen, ist der Schlüssel. Wenn ich mit einem Pferd arbeite, passiert alles organisch. Natürlich mache ich mir Pläne. Aber möglicherweise sagt mir das Pferd etwas komplett anderes und dann muss ich mich darauf einlassen, umdenken und etwas Neues machen.

Wie meinst Du das?

Wir können von den Pferden lernen, offen für Veränderungen zu sein oder auch von Erwartungen loszulassen, mehr zu fühlen und dabei den Kopf auszuschalten. Gerade beim Wanderreiten, wo man von Natur umgeben ist. Hier sollte man einmal in Stille reiten, d.h. nicht reden, nur spüren. Dabei kann man genau das trainieren. Beim Wanderreiten können wir diese Verbindung zu uns selbst, zur Natur und zu den Tieren wieder erlernen. Hier existieren weder Druck noch Wettkampf, sondern Natur und Spaß.

 Beim Wanderreiten gehen wir gemeinsam zurück in die Natur.

Ja genau, hier kannst Du alles vergessen, alle Sorgen und Ängste. Beim Wanderreiten zählt nur der Moment. Das zeigen uns auch die Tiere. Ihnen ist weder die Zukunft noch die Vergangenheit wichtig. Achtsam sein ist etwas, was die Tiere können und wir verlernt haben. Wenn ich es schaffe, mich mit meinem Pferd zu verbinden, können wir gemeinsame Entscheidungen treffen.

Wie bringst Du Yoga und Achtsamkeit ganz praktisch mit ins Reiten?

Ich habe auf langen Ritten begonnen, Yoga zu machen. Ich meine, Yoga auf dem Pferd. Das heißt nicht, dass ich einen herabschauenden Hund auf dem Pferderücken mache. Sondern, dass ich während dem Reiten beginne, meinen Sitz zu beobachten. Ähnlich wie man seinen Atem beobachten kann, beobachte ich meinen Sitz. Wie sitze ich? Was machen meine Hüften, was machen meine Beine, was machen meine Schultern? Früher hätte ich einfach nur auf dem Pferd gesessen. Ich wäre einfach ich gewesen und das Pferd wäre das Pferd gewesen.

Heute probiere ich, die Mitte meiner Wirbelsäule zu finden. Sobald ich die Mitte meiner Wirbelsäule gefunden habe, wird diese zur Verbindung von Kopf über Steiß, über Sattel zum Pferd. Dadurch kann ich eins mit dem Pferd werden. Das hat etwas sehr Meditatives und das hat Yoga mir beigebracht. Damit wird es mir möglich, mich mit mir zu verbinden und später mit dem Pferd. Denn die Tiere stehen eigentlich immer offen, sich zu verbinden. Deswegen sagen viele Menschen, sie könnten besser mit Tieren als mit Menschen.

Was empfiehlst Du jedem Wanderreiter?

 Reite mit einer Intention. Vielleicht möchtest Du etwas in dir entdecken, oder etwas loslassen. Oder Du möchtest einfach gar nichts wissen, dann ist das auch okay.

Hast Du Zukunftspläne?

Ich habe gelernt, dass sich alles immer verändert. Zur Zeit arbeite ich in Rumänien auf einem Hof für Wanderreiten (www.equus-silvania.com). Hier trainiere und arbeite ich täglich mit Pferd und Mensch. Aber ich bin Reisende. Also mal schauen, wohin es mich verschlägt. Ich könnte mir vorstellen, selbst einen Retreat-Ort für Yoga, Meditation und Pferde-Urlaub zu eröffnen.

Träumst Du von einer großen Wanderreit-Tour?

Die Mongolei reizt mich auch. Aber mir ist wichtig, einen Ort zu finden, an dem die Leute, wie hier in Rumänien, noch in Kontakt mit der Natur stehen. Hier kann die Natur mehr zurückgeben als in dicht besiedelten Räumen. Hier kann die Natur noch heilen.

Danke!

Das Interview führte Anne, 14.09.2018

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